Programm Journalbühne

Im Nationalpark der Literatur

Der Lyriker Ron Winkler fand neulich gleich eine ganze Welle an Attributen für Literaturzeitschriften: Sie seien "idealistische Tummelplätze und intellektuelle Tollhäuser, Schwebstoffe zwischen marktstrategisch operierenden Verlagen und ihrer ökonomischer Vernunft, Nationalparks für von Mainstream-Kommandos bedrohte Ideenarten." Insofern wird auch ein Teil der Schlossteichinsel am 15. Juli als Nationalpark ausgewiesen. Das Chemnitzer Literaturmagazin COMMA lädt fünf Magazinmacher auch Dresden und Leipzig auf seine Bühne. Jede dieser fünf Zeitschriften präsentiert dort einige seiner bedrohten Ideenarten.

Den Anfang macht die Dresdner Zeitschrift OSTRAGEHEGE, eines der renommiertesten Literaturmagazine des Landes. Herausgeber Axel Helbig hat zwei große Namen der sächsischen Autorenszene im Gepäck. Beginnen wird Undine Materni, die 2000 den MDR-Literaturpreis gewann, was sie als exzellente Kurzgeschichtenschreiberin ausweist. Aber Dresden ist die Stadt der großen Lyriker, und das ist auch bei Undine Materni zu spüren. Weniger der Lyrik als mehr der Prosa ist Jens Wonneberger zuzurechnen. Die ZEIT beschrieb Wonneberger neulich als "mitfühlenden wie präzisen Phänomenologe von Menschen und Milieus." Seine präzis berichtende und klare Erzählsprache reißt gerade bei Lesungen immer wieder mit.

Danach wird es international: Norbert Weiß von der SIGNUM, ebenfalls aus Dresden, wird Texte den genialen Österreichers Christoph Wilhelm Aigner lesen. Der vielfach ausgezeichnete Lyriker war 2004 Stadtschreiber in Dresden. Weiterhin stellt er den Mainzer Autor Heinz G. Hahs vor.

Mit dem Wechsel zu den Leipziger Magazinen verjüngt sich die Autorenschaft. Andreas Heidtmann vom POETENLADEN stellt zwei junge Prosaautorinnen vor. Karina Roth, 1976 in Brasov geboren und im Schwabenland aufgewachsen, erhielt 2005 den Poetenladendebütpreis. Im gleichen Jahr wurde auch ihre Autorenkollegin Katharina Bendixen damit ausgezeichnet. Sie zählt nicht nur zu den interessantesten literarischen Stimmen der Messestadt, die junge Frau gilt auch als scharfsinnige Literaturkritikerin. 2006 wurde sie folgerichtig mit dem Friedrich-Rochlitz-Preis für Kunstkritik ausgezeichnet. Nebenher zählt sie zur Redaktion der PLUMBUM.

Diese Zeitschrift begeistert immer wieder die Ästheten unter den Literaturliebhabern. Hinter der aufwendigen Aufmachung lassen sich immer wieder wunderbare Texte finden. Carl-Christian Elze, Ulrike A. Sandig und Anja Kampmann zählen aktuell zu den imposantesten lyrischen Stimmen des Landes. Sandig und Elze sorgten im letzten Jahr mit "Zunder" bzw. "stadt/land/stopp" für zwei der lesenwertesten Lyrikbände des Jahres. Alle drei studieren im Moment am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Einer ihrer Kommilitonen ist dort Thomas Pletzinger. Die Leipziger Renomeé-Bastion EDIT reist in Person von Herausgeber Patrick Hutsch und dem MDR-Literaturpreisträger von 2005 an. Pletzinger zählt sicher zu den markantesten Jungautoren, sein Stil ist frisch und oft unterhaltsam. Nicht umsonst wird sein Romandebüt bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen.

Sie sehen, auf der Journalbühne erwartet sie ein Nationalpark voller Attraktionen. Als kompetenter Führer durch den Nachmittag dient der Comma-Mitherausgeber Lars Neuenfeld. Also, buchen sie doch einmal eine Nationalpark-Tour.